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Pressemitteilung



Ein Dorf probt den Frieden

15 October 2008

 

Miguel hat schon einiges erlebt. Der alte Bauer aus Nordkolumbien ist mit seiner Familie achtmal vertrieben worden. Achtmal musste er eine neue Existenz aufbauen, seinen Lebensunterhalt dem Regenwald abtrotzen, Bananen und Kakao für den Verkauf anbauen, sowie Reis und Bohnen für den eigenen Bedarf.

Jedes Mal kamen nach einer Weile bewaffnete Gruppen – seien es Paramilitär oder Guerilla – die die Felder zerstörten, das Vieh erschossen und mit dem Mord an seiner Familie drohten. Auch das hat Miguel schon erlebt, den Mord an Genossen, an Dorfsprechern. Sein sanftes Lächeln, seine leuchtenden dunklen Augen in dem von Runzeln durchfurchten Gesicht sind ihm bei allem Schrecken geblieben. Und das ist vielleicht das Erstaunlichste an diesem Land, an diesen Menschen: Wie sich Lebensfreude immer wieder durchsetzt, die Heilung von den Schrecken des Erlebten.


Alle, die heute in San Josecito leben, haben schon Vertreibung oder Tod von nahen Angehörigen erlebt. Doch im Moment, an diesem Sonntag, den 12. Oktober, könnte das Dorf jeden Preis für Fröhlichkeit und Unbeschwertheit gewinnen.

Im Kiosko stehen einige junge Campesinos, Indianer und Internationale und proben einen vierstimmigen Choral. Vorher haben die Vertreter der Nasa-Indianer ein Reinigungsritual gemacht, das die negativen Energien und Erinnerungen aus allen Bewohnern herausziehen soll.

Die Gruppe der Lehrer hört einen Vortrag über alternative Erziehung.

Das neue Volleyballfeld ist belagert von den Dorfkindern, immer wieder mogeln sich Erwachsene dazwischen.

Zwischen Dorf und Fluss legt die Arbeitsgruppe für Heilung einen Garten für Medizinalpflanzen an, ganz in der Nähe baut die Technologie-Arbeitsgruppe einen Solartrockner zur Haltbarmachung von Früchten.

Eine andere Gruppe meißelt Symbole in Steine. Sie sollen Teil des neuen Memorials werden, einer Gedenkstätte für die Ermordeten des Dorfes, aber auch ein Sammelpunkt für die Kraft des Dorfes, das es bis jetzt schaffte zu überleben – und das in einem Gebiet, das von einer ehrgeizigen Regierung für Großprojekte vorgesehen ist.


San José de Apartadó war die erste der mittlerweile rund 50 kolumbianischen Friedensgemeinden, die sich zusammenschlossen und der Gewalt von Guerilla, Paramilitär, Staat und kriminellen Banden ihren unzerstörbaren Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben auf ihrem eigenen Land entgegensetzte.

Hört man die Dorfsprecher über die Geschichte des Dorfes berichten, über die vielen bis heute anhaltenden Versuche, die Bauern zu vertreiben, sie umzubringen, Lebensmittel zu sperren, sie von der Krankenversorgung, der Schulbildung, der Stromversorgung abzuschließen, dann ist es ein Wunder, dass es sie noch gibt.

Doch das Dorf verstand es, in jeder Bedrohung eine neue radikale Entscheidung zu treffen – für mehr Unabhängigkeit, mehr Kraft. 180 Ermordete konnten es nicht von seinem Weg abbringen, im Gegenteil. Inzwischen hat das Dorf eine eigene Schulausbildung, den Beginn einer eigenen Stromversorgung durch Solarenergie, eine Gemeinschaftsküche, eine Gesundheitsstation und wurde über alle Grenzen als Symbol des gewaltfreien Widerstandes bekannt.


Derzeit hat die 1000 Einwohner große Friedensgemeinde rund einhundert internationale und kolumbianische Friedensarbeiter, Vertreter von indigenen Widerstandsgruppen sowie von anderen Friedensgemeinden zu Gast.

Zunächst wanderten 150 Teilnehmer in einem strapaziösen Friedensmarsch durch Matsch, Flüsse und Wald fünf Tage durch die abgelegenen und dadurch bedrohten Dörfer. Nun studieren sie in einem Globalen Campus alle wesentlichen Bereiche von Überlebenswissen, Gemeinschaftsaufbau und Autarkie. Organisiert wurden Globaler Campus und Friedensmarsch in einer langjährigen Kooperation vom Friedensforschungszentrum Tamera in Portugal und der Universität des Widerstandes in Kolumbien. Die Leitungspersonen sind Sabine Lichtenfels, Theologin und Friedensaktivistin aus Deutschland und Padre Javier Giraldo aus Bogota.


Eine ausgiebige Reportage mit Fotos ist in Vorbereitung.




 


GRACE Pilgerschaft - Caminata por la Vida

 

www.grace-pilgrimage.com

 

organisiert von der Grace Stiftung (CH) in Kooperation mit der Bauern-Universität des Widerstandes, dem Friedensdorf San José de Apartadó (beide Kolumbien) und dem Verein Friedensforschungsdörfer e.V (D).Walking Together for PeaceFriedenspilgerschaft1. - 5. Oktober 2008Wissen schaffen für eine FriedenskulturAusbildungscamp7. - 17. Oktober 2008Fünf Tage lang wird eine Gruppe von ungefähr 400 Menschen aus vielen Teilen der Welt in Kolumbien für den Frieden pilgern, geleitet von Sabine Lichtenfels, Padre Javier Giraldo und Benjamin von Mendelssohn.Sie gehen durch Dörfer und Weiler in der Umgebung von San José de Apartadó, ein Gebiet, das ungeschützt zwischen den Fronten des Bürgerkrieges liegt. Konfrontiert mit der bedrohlichen Wirklichkeit der Kleinbauern dieser Region, werden die Teilnehmer eine wachsende globale Friedensperspektive für Krisengebiete weltweit kennenlernen.Seite an Seite mit Einwohnern des Friedensdorfes San José de Apartadó und anderen kolumbianischen Friedensdörfern wird jeder Pilger sein Engagement finden, Teil einer globalen Friedenskraft zu werden, die nicht mehr an Ländergrenzen halt macht.Die Grace Pilgerschaft - Kolumbien 2008 ist die dritte Pilgerschaft, die von Sabine Lichtenfels im Namen von GRACE geleitet wird -- die beiden ersten führten durch Israel und Palästina. Sie wurde inspiriert durch die langjährige Freundschaft und Kooperation zwischen dem Friedensforschungszentrum Tamera in Portugal, dem Friedensdorf San José de Apartadó in Kolumbien und dem Verein Friedensforschungsdörfer in Deutschland.Kolumbien wird 2008 gleichzeitig der Schauplatz der allerersten Veranstaltung im Rahmen des Global Campus -- eine weltweite Ausbildungsinitiative, die Theorie und Praxis aller releveanten Wissensbereiche zusammenbringt, die eine Zukunft ohne Krieg unterstützen. Zur Zeit besteht der Global Campus aus dem Friedensforschungszentrum Tamera (Portugal), der Universität des Widerstandes (Kolumbien) und dem Holy Land Trust (Palästina).Mehr Informationen über das Friedensdorf San José de Apartadó: www.sos-sanjose.orgMehr Informationen über das Friedensforschungszentrum Tamera: www.tamera.orgMehr Informationen über die Grace-Stiftung: www.the-grace-foundation.orgÜber das Friedensdorf und warum diese Aktion für sie überlebenswichtig sein kann:Vor elf Jahren schlossen sich die Einwohner von San José de Apartadó im Norden Kolumbiens zusammen und gründeten das Friedensdorf. Zwischen den Fronten des Bürgerkrieges lebend, leisten sie gewaltfreien Widerstand gegen Mord und Vertreibung. Während dieser elf Jahre wurden mehr als 180 Bewohner des Dorfes -- Frauen, Männer, Kinder -- ermordet. Die Täter der Morde waren in allen kriegführenden Parteien zu finden: die offizielle Armee Kolumbiens, das Paramilitär als Handlanger der Großgrundbesitzer und des Militärs für die "Schmutzarbeit", sowie die Guerilla, die selbst ernannte terroristische Hand der Armen, die längst dieselbe Kriminalität Brutalität an den Tag legt wie das Paramilitär.Trotz aller Angriffe und Bedrohungen machen die Bewohner weiter, praktizieren den Geist der Versöhnung und bearbeiten ihre Felder. Ihre Vision ist ein Kolumbien ohne Krieg und Vertreibung, eine positive Zukunft für ihre Kinder, ein selbstbestimmtes Leben in Würde und ein ökologisches, technologisches und soziales Wissen für ein nachhaltiges Leben in Freiheit.Ihre größten Schutzkräfte dabei sind Gemeinschaftsgeist und gegenseitige Unterstützung, absolute Gewaltfreiheit und die Haltung der Versöhnungsbereitschaft sowie -- sehr wichtig -- internationale Öffentlichkeit: Ohne internationale Öffentlichkeit gäbe es Dorf mit Sicherheit nicht mehr.Die Pilgerschaft und die Global Campus Initiative unterstützt ihre Vision in zweierlei Weise:1.Sie bringt internationale Aufmerksamkeit in eine der gewaltreichsten Gegenden der Erde. Etwa 100 Internationale werden an der Pilgerschaft teilnehmen, neben Kolumbianern, und als Zeugen oder Auge der Welt zum einen die Lebensbedingungen von Kleinbauern in unserer Zeit aus erster Hand kennenlernen. Zum anderen sind sie allein durch ihre Anwesenheit ein Schutz. Die Pilgerschaft wird auch durch Journalisten und ein Medienteam begleitet.2.Der tiefste Wunsch der Bewohner des Friedensdorfes ist eine positive Zukunft für ihre Kinder und deren Ausbildung in Friedensberufen und technischem Wissen für Nachhaltigkeit. Deshalb beginnen wir im Oktober mit einem ersten Ausbildungsprogramm, das letztlich die wichtigsten Themen des Lebens umfassen wird: Gemeinschaft, nachhaltige Technologie, Wissen und Transparenz über Liebe und Sexualität, Ökologie, Spiritualität und Politik. Das Ziel des Global Campus ist es, dieses Ausbildungsprogramm in allen Teilen der Welt zu realisieren.Wie Sie dies unterstützen können:1.Die erste Unterstützung haben Sie bereits geleistet, indem Sie die Situation des Friedensdorfes zur Kenntnis nehmen. Internationale Aufmerksamkeit ist der wichtigste Schutz von San José de Apartadó. Bitte machen Sie in Ihrem Medium auf das Dorf aufmerksam. Da wir von einem professionellen Medienteam begleitet werden, können wir Ihnen Berichte und Fotos anbieten.2.Teilnahme an der Pilgerschaft -- Internationale Teilnahme ist lebensnotwendig für alle Aktionen in Kolumbien als ein Schutzschild für kolumbianische Bauern und Flüchtlinge, die durch gewalttätige Übergriffe bedroht sind. Die Teilnahme ist auch ein tiefes Ja dazu, Teil des globalen Wechsels von Gewalt zu Frieden. Für mehr Informationen über die Teilnahme schreiben Sie bitte an Andrea Regelmann at info@sos-sanjose.org3.Ein finanzieller Beitrag: Die Pilgerschaft ist eine nicht-kommerzielle Initiative. Spenden gehen direkt nach Kolumbien, um die Pilgerschaft und die Global Campus Initiative zu finanzieren. Informationen darüber, wie Sie spenden können: info@sos-sanjose.orgWir danken Ihnen von Herzen im Voraus.Das Team der Grace-Pilgerschaft und des Global Campus